Digitale Beteiligung darf niemanden ausschließen: „Nummer gegen Kummer“ auf der re:publica 2026

Foto: Rebecca Rütten/re:publica

Wie können digitale Angebote junge Menschen wirklich erreichen – insbesondere diejenigen, die vor besonderen Hürden stehen? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Diskussion „Empower Me! Digitale Beteiligung, die niemanden ausschließt“ am Montag auf der re:publica in Berlin. Mit dabei: Nora Malmedie von Nummer gegen Kummer e.V.

Digitale Angebote für junge Menschen gibt es viele – von Beratungsplattformen über Apps bis hin zu KI-Anwendungen. Doch ein digitales Angebot allein bedeutet noch keine Teilhabe. Genau darüber diskutierten Expert*innen aus den Bereichen psychosoziale Beratung, digitale Bildung und Kinderrechte auf der re:publica in Berlin.

Gemeinsam mit Jutta Schneider von Helliwood („KI für alle“), Alexander Hundenborn vom Projekt Justy sowie Nora Malmedie von Nummer gegen Kummer e.V. ging es um die zentrale Frage: Wie müssen digitale Räume gestaltet sein, damit junge Menschen sie tatsächlich nutzen können – und dadurch handlungsfähig werden?

Digitale Angebote erreichen nicht automatisch alle

Ein zentrales Thema der Diskussion: Digitale Räume sind nicht automatisch inklusiv. Obwohl technische Lösungen zunehmend verfügbar sind, bleiben viele junge Menschen außen vor – etwa aufgrund fehlender Geräte, mangelnder Sprachkenntnisse, geringer Lese- und Schreibkompetenzen oder fehlender Orientierung im digitalen Raum. Aus Sicht von Nummer gegen Kummer zeigt sich das auch in der psychosozialen Beratung: Nicht alle Kinder und Jugendlichen finden den Weg zu Unterstützungsangeboten – selbst dann nicht, wenn diese digital verfügbar sind. „Digitale Angebote müssen nicht nur existieren – sie müssen auch auffindbar, verständlich und niedrigschwellig sein“, so eine zentrale Erkenntnis der Diskussion.

Vertrauen als Voraussetzung für Hilfe

Besonders bei sensiblen Themen spielt Sicherheit eine entscheidende Rolle. Jugendliche wenden sich oft erst dann an Beratungsangebote, wenn sie sich geschützt fühlen. Für „Nummer gegen Kummer“ sind Anonymität und Vertraulichkeit zentrale Voraussetzungen, damit junge Menschen überhaupt den ersten Schritt wagen und über Sorgen, Krisen oder belastende Erfahrungen sprechen. Im Panel wurde deutlich: Wer Angst vor Bewertung oder Konsequenzen hat, sucht seltener Hilfe. Digitale Räume müssen deshalb so gestaltet sein, dass sie Sicherheit vermitteln und Vertrauen ermöglichen.

Selbstbestimmung stärkt junge Menschen

Ein weiterer Fokus der Diskussion lag auf der Frage, wie digitale Angebote Selbstbestimmung und Selbstwirksamkeit fördern können. Ob Beratung, KI-Anwendung oder Beteiligungs-App: Junge Menschen brauchen die Möglichkeit, selbst zu entscheiden – etwa darüber, welche Informationen sie teilen, in welchem Tempo sie Angebote nutzen oder ob sie anonym bleiben möchten. Gerade in Krisensituationen kann bereits ein erster Kontakt ein wichtiger Schritt sein. Bei „Nummer gegen Kummer“ erleben Berater*innen immer wieder, wie aus einem Gespräch neue Perspektiven entstehen: erste Handlungsschritte, Orientierung und das Gefühl, nicht allein zu sein.

Digitale Tools brauchen menschliche Begleitung

Ein klares Fazit der Veranstaltung: Technologie allein schafft kein Empowerment. Digitale Angebote können unterstützen, Orientierung geben und neue Zugänge schaffen – sie ersetzen jedoch keine verlässlichen Beziehungen. Hinter wirksamen digitalen Räumen stehen Menschen, die begleiten, zuhören und Vertrauen schaffen. Für „Nummer gegen Kummer“ ist genau das entscheidend: Hinter dem digitalen Beratungsangebot stehen qualifizierte Berater*innen, die junge Menschen ernst nehmen und sie auf ihrem Weg unterstützen.

Das Fazit der Diskussion auf der re:publica: Digitale Teilhabe gelingt dann, wenn Technologie, gute Gestaltung und menschliche Begleitung zusammengedacht werden – damit wirklich niemand ausgeschlossen wird.

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