Freddy ist seit kurzem Berater am Kinder- und Jugendtelefon. Auf die Idee, sich bei der „Nummer gegen Kummer“ zu engagieren, kam er durch einen Freund. Das Wichtigste an der Tätigkeit für ihn: der Spaß an der Sache und die Möglichkeit, anderen zu helfen. Er selbst beschreibt sich als ruhig und nachdenklich, freundlich und musikalisch. Seine ruhige Art hilft ihm in Gesprächen Ratsuchenden Raum zu geben und ihnen geduldig zuzuhören. „Ich finde es sehr wertvoll, dass ich mit so vielen unterschiedlichen Menschen telefonieren kann. Ich bekomme dadurch so viele neue Eindrücke und eine andere Sicht auf die Welt.“ Wichtig vor dem ersten Telefonat: Runterkommen und ankommen mit Süßigkeiten und Tee. Nach dem Dienst nimmt er sich Zeit, die Gespräche Revue passieren zu lassen. Ausgleich findet er in der Musik, er spielt Schlagzeug in einer Band, hat sich selbst Bass Spielen beigebracht. In der Musik gibt es immer wieder Neues zu entdecken und zu lernen, hier kann er sich „reinfuchsen“. Wenn es darum geht, auf andere Gedanken zu kommen, ist bei ihm eher Sport angesagt – egal, ob Frisbee mit Freunden, Tischtennis, Badminton, Bouldern oder Klettern, Hauptsache auspowern.

Freddy


Kristina beschreibt sich selbst als Theoretikerin. Die Tätigkeit am Elterntelefon erlaubt ihr praktisch zu arbeiten und dabei etwas Sinnvolles zu tun. Hier kann sie Erfahrungen sammeln, die ihr helfen, sich selbst zu reflektieren. „Ich finde es wichtig, dass man als Beraterin auf das eigene Bauchgefühl hört und sich nicht so einen Kopf macht.“, sagt sie. Nach dem Telefondienst läuft sie eine Stunde. Das hilft ihr, die Geschichten der Anrufenden im Büro zu lassen. Zum Dienst kommt sie pünktlich, damit sie ohne Hektik starten kann. Im Gespräch versucht sie die Ratsuchenden sehr konkret abzuholen. Da sagt sie auch schon mal etwas wie: „Boah. Sie haben ziemlich viel an der Backe. Holen Sie einfach mal Luft. Wir haben alle Zeit der Welt.“ Im Gespräch mit den Ratsuchenden achtet sie auf die Atmung, die Artikulation. Sie hat ihre ganz eigene Sprache und eigene Art der Zugewandtheit am Telefon entwickelt. Das erlaubt ihr, den Ratsuchenden so gut wie möglich etwas an die Hand zu geben oder eine Perspektive aufzuzeigen. Sich selbst beschreibt sie als grenzenlos optimistisch, abgrundtief deutsch, im positiven und im negativen Sinne und klug. Ihr Ziel: Noch lange Beraterin am Elterntelefon sein; und eine gescheite Doktorarbeit schreiben.

Kristina


Studium der Tiermedizin, Mentorin, Vertrauensstudentin, ehrenamtlicher Besuchsdienst im Altenheim, Sport, Freunde treffen … Jules Terminkalender ist gut gefüllt. Warum dann noch Kinder und Jugendliche beraten? „Es motiviert mich zu merken, dass ich die Stunde, den Tag und vielleicht im allerkrassesten Fall sogar das Leben von einem anderen Menschen besser machen kann, indem ich es irgendwie schaffe, einen Weg zu zeigen, eine Option zu sein oder vielleicht das erste Ohr zu sein, das zuhört.“ Dabei hilft ihr ihre temperamentvolle Art gepaart mit einer guten Portion Empathie. Bevor es für Jule ans Telefon geht, ist sie gedanklich meist ganz woanders: Lernt auf dem Hinweg in der Bahn oder hört Musik. Nach der Schicht telefoniert sie meist kurz mit jemandem aus dem Beratungsteam, zieht Bilanz: Gute Schicht, mittel oder nicht so gut. Und wenn sie bei eigenen Themen Hilfe braucht? Dann telefoniert sie ihre Telefonliste ab. Und wenn sie wirklich abschalten und mal nicht nachdenken möchte, geht sie Laufen. Sowieso ist sie immer in Bewegung, probiert Neues aus, traut sich etwas. Dass sie den Mut behält, immer wieder neue Erfahrungen zu sammeln und ihren Weg zu gehen, das wünscht sie sich für die Zukunft.

Jule


Am Puls der Zeit sein, mitbekommen, was Familien aktuell beschäftigt, das war unter anderem Bibianas Ansporn, sich ehrenamtlich am Elterntelefon zu engagieren. In einem Lebensabschnitt, in dem es ihr selbst sehr gut ging, war es ihr wichtig, etwas zurückzugeben. Positiver Nebeneffekt der Ausbildung war für sie, so viel über die Themen der Ratsuchenden zu lernen und auch offen über persönliche Dinge zu sprechen. Ihre Offenheit und Neugierde helfen auch in Gesprächen mit Ratsuchenden, wenn es darum geht, durch Nachfragen Neues anzuregen und gemeinsam auf Lösungssuche zu gehen. Ein wichtiger Faktor für sie ist die Superversion. Hier kann sie schwierige Gespräche noch einmal reflektieren. „Ich kann sagen, so ein Ehrenamt ist sehr bereichernd. Es erfordert Mut, aber man springt ja nicht einfach ins kalte Wasser. Es gibt eine Ausbildung, Supervision und den Austausch im Team.“ Austausch, Zusammensein, sich begegnen … Auch sonst im Leben von Bibiana ein wichtiger Bestandteil. Ihre Band möchte sie nicht missen und die Musik hat für sie eine Art therapeutischen Effekt. Wenn sie auftritt, sind das Momente, in denen sie loslassen kann und alle Gefühle Raum bekommen.

Bibiana


Kinder und Jugendliche in ihrem Prozess zu unterstützen und ein gesundes Aufwachsen zu ermöglichen, das war Janett wichtig, als sie die Ausbildung am Kinder- und Jugendtelefon begonnen hat. Gleichzeitig konnte sie über die Ausbildungsinhalte viel für sich selbst und die Erziehung ihres Sohnes mitnehmen. Beratung ist für sie nichts Neues: Auch hauptamtlich ist sie in diesem Bereich tätig. Aber das Ehrenamt bietet ihr die Möglichkeit, sich auszuprobieren und ihren Teil zu einer solidarischen Gesellschaft beizutragen. Was ihr bei der Arbeit am Telefon hilft? Ihre kommunikative Art und ein zuversichtlicher Blick auf die Dinge. „Meist mache ich mir einen Kaffee, setze mich hin und dann geht es los!“ Direkt, ehrlich, aufgeschlossen. Diese Eigenschaften beschreiben Janett am besten. Eine starke Frau, die selbstbewusst durchs Leben geht. Das möchte sie auch ihrem Sohn mitgeben. Es ihr wichtig, eine gute Mutter zu sein, sich zu kümmern und dabei gleichzeitig die eigenen Bedürfnisse im Blick zu behalten.

Janett


In seinen Arbeiten beschäftigt sich der Berliner Portrait- und Reportagefotograf Maximilian Gödecke mit den Facetten menschlichen Lebens sowie den Geschichten, die es hervorbringt. In emotionalen Portraits weist er – manchmal deutlich, manchmal leise – auf die Diversität persönlicher Erfahrungswelten hin. Die Beziehungen, die beim Eintauchen in fremde Leben entstehen, spiegeln sich in Fotografien, die eine Spannung aus Intimität und Distanz hervorbringen. Nach dem Abschluss seiner Ausbildung im Studio67 in 2019, stieg er direkt in die Selbstständigkeit ein. Seitdem widmet er sich von Idee zu Projekt seinem tiefen Interesse, Menschen zu begleiten und sie in ihrem Sein zu verstehen. Die Projekte entstehen in stundenlanger Recherche zu einem Thema sowie in spontanen Gesprächen beim Fotografieren auf der Straße. Die Kamera begleitet ihn dabei immer und überall. Auch auf dem dreiminütigen Spaziergang zum Supermarkt, denn bemerkenswerte Motive verstecken sich in jeder Situation des Lebens.

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Maximilian Gödecke